Trauma und Psoas

Der Zusammenhang zwischen Trauma, Kampf-oder-Fluchtmodus und unserem Hüftbeuger (Psoas)

Es gibt einen Zusammenhang zwischen Trauma und verspanntem Psoas. Der Psoas spielt aufgrund seiner Funktion eine ganz besondere Rolle bei Traumatisierung und unterdrückten Emotionen.

Wir haben eine große, sehr starke Muskelgruppe, die unsere Wirbelsäule mit dem Becken und den Beinen verbindet, dies ist der Hüftbeuger (lat. Psoas). Er setzt innen an den Wirbelkörpern der Lendenwirbelsäule und am Becken an und ist am oberen Teil des Oberschenkelknochens befestigt. 

Diese Muskelgruppe hat eine ganz besondere Funktion in unserem Körper. Wenn wir im Kampf-oder-Flucht-Modus sind, haben diese Muskeln, aus der archaischen Entwicklung heraus, die Aufgabe unsere empfindliche Vorderseite und Körpermitte mit den Organen und den Fortpflanzungsorganen zu schützen. Wie machen Sie dies? Indem sie kontrahieren und den Körper zu einer fötalen Kurve zusammen ziehen. 

Erlebt ein Mensch eine Traumatisierung, wird die Psoas-Muskelgruppe aktiviert und kontrahiert. Dies geschieht automatisch, unbewusst. Dies wird problematisch, wenn wir über längere Zeit im Kampf-oder-Flucht-Modus sind, dadurch entsteht eine Dauerkontraktion des Psoas. Aufgrund dessen wird der Psoas häufig auch als Seelenmuskel oder Angstmuskel bezeichnet.

Die Aktivierung und Kontraktion des Psoas geschieht bei allen Traumata, unabhängig von der Ursache. Somit auch wenn ein Kind z.B. im Alltag permanent einer Bedrohungssituation, welcher Art auch immer, ausgesetzt ist, physische oder psychische Gewalt, emotionaler, verbaler Missbrauch etc.

Die Kontraktion des Psoas ist vielleicht nicht so stark sichtbar, da es nicht zu einer fötalen Körperhaltung kommt, findet aber in Form von kleinen, fast nicht bemerkbaren Bewegungen des Psoas trotzdem statt.

Aufgrund seiner Sonderstellung unter den Muskeln führt ein chronisch verspannter Psoas zu einer Daueraktivierung des Nerven- und Hormonsystems, wir bleiben weiter im Kampf- oder Flucht-Modus. D.h. kleinste Vorkommnisse können das auf Hochtouren laufende System triggern und Ängste hervorrufen. 

 

Chronisch verspannter Psoas - die Auswirkung auf unser Gesamtbefinden

Der Psoas ist über Faszien mit dem Zwerchfell, unserem Hauptatemmuskel verbunden. Ist der Psoas chronisch verspannt, wirkt sich dies aufgrund der Verbindung mit dem Zwerchfell auf die Atmung aus. Des Weiteren wird der Brustkorb nach vorne gezogen und der Bauchraum eingeengt. Hierdurch kommt es zu Einschränkungen bei der Atmung, was sich wiederum auf das Gesamtbefinden auswirkt. 

Der Psoas liegt in zentraler Lage im Bauchraum, in unmittelbarer Nähe zu den Nieren, den Fortpflanzungsorganen, der Bauchaorta und dem Solarplexus, einem Nervengeflecht und dem Darm und beeinflusst damit diese Strukturen. Ist der Psoas chronisch verspannt, verengt dies den Bauchraum, die Organe, Nerven und Blutversorgung haben nicht den Platz, den sie benötigen, was die Organfunktion einschränken kann. Die möglicherweise eingeschränkte Organfunktion kann sich auf die Verdauung, den Stoffwechsel und die Nährstoffaufnahme auswirken. 

Verspannungen des Zwerchfells können Probleme im Bereich des unteren Schließmuskels der Speiseröhre (Reflux), verursachen, da die Speiseröhre durch das Zwerchfell hindurchgeht. 

Meist ist nicht ein „zu schwacher“ Psoas das Problem, sondern ein zu verspannter Psoas. Der Psoas muss auch nicht aufgedehnt oder mit Kräftigungsübungen gestärkt werden. 

Die Stressantwort des Körpers muss beendet werden, damit der Psoas wieder zur Ruhe kommen kann. 

 

Traumrelease - Abbau des Traumas durch Zittern

Wenn der Körper ein Trauma erlebt, hat die Natur einen natürlichen Mechanismus eingebaut, um die aufgrund der Kampf-oder-Flucht-Modus im Körper bereitgestellte Energie zu verbrauchen: die Muskeln fangen an zu zittern. Dies wirkt wie eine Entladung des Körpers.

Haben Sie nach einem sehr heftigen Erlebnis schon einmal angefangen zu zittern?

Dies können wir bei Tieren beobachten, die einer lebensgefährlichen Situation entkommen sind und am ganzen Körper unkontrolliert anfangen zu zittern sobald sie wieder sicher sind. Wir Menschen haben diesen Mechanismus auch, überlagern ihn aber oder stoppen ihn, da zittern oder Angst zeigen in unserer Gesellschaft als Schwäche angesehen wird. 

Kann die Energie nicht abgebaut werden, wird sie in den Muskeln gespeichert, was über längere Zeit zu chronischen Verspannungen führen kann. 

Diese normale Zitter-Reaktion benötigt der Körper, um das Trauma im wahrsten Sinne des Wortes „abzuschütteln“. Damit beendet der Körper die Stressreaktion auf natürliche Weise. Durch das Zittern erhält das Gehirn die Nachricht, dass die Gefahr vorbei ist, die Ausschüttung der Stresshormone kann beendet werden.

Wird das Zittern unterdrückt, unterbleibt die Rückmeldung an das Gehirn, dass die Gefahr beendet ist, das Gehirn schüttet weiter Streßhormone Cortisol und Adrenalin aus. Der Kampf-oder-Flucht-Modus läuft weiter, mit allen Auswirkungen auf das Nerven- und Hormonsystem und auf die Muskeln und Faszien.

Im Rahmen der Emotional-Release-Therapie kann es zum Muskelzittern kommen, der Körper ist bereit, das Trauma auf Körperebene abzuarbeiten. 

Das Zittern kann allerdings auch – mit etwas Übung – bewusst ausgelöst werden, um dem Körper die Gelegenheit zu geben, die in den Muskeln sitzenden Traumata zu befreien und die Stressreaktion damit zu beenden.